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Die Geschichte des Städtischen Schlachhof Löbau 1894 - 2017

„IN TAUSEND WORTEN“

Es ist sicherlich schwer zu beschreiben, was man über ein altehrwürdiges Gebäude sagen bzw. berichten soll. Es ist auch in gewissermaßen schwer zu verstehen, was für Geschichten und Erlebtes mit diesem Gebäude verbunden waren. Aber eins kann man mit Sicherheit sagen, dieses Objekt, in welcher Hinsicht auch immer, hatte eine lange Tradition. alte   Ansicht Alter Schlachthof Im Jahre 1891 begann die Planung des Baus eines, umgangssprachlich genannten, Schlachthofes. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, war der Bau eines solchen Gebäudes mit sehr viel Liebe zum Detail behaftet. Das Fleischerhandwerk war halt zu jener Zeit noch ein hoch angesehenes Handwerk und wurde daher mit Stolz, in Form von Ornamenten und Verzierungen an den Wandflächen, der Giebelseiten und den Fensterelementen präsentiert. Schon im Jahre 1894 wurde dann dieser städtische Schlachthof in Löbau, einem kleinen Städtchen in der schönen Oberlausitz, in Betrieb genommen. Traditionell bestand dieser Bau aus einem großen Hauptgebäude, für das Zerlegen und Lagern von Frischfleisch, verbunden mit einem erhöhten Kühlturm mit Lüftungsdächern und einem kleinerem Nebengebäude für die Fleischbehandlung. Zudem gehörte dem Nebengebäude ein großer Schornstein an, um die notwendigen thermischen Prozesse für die Verarbeitung von Fleisch einzuleiten. In den angliedernden Gebäuden waren oftmals die Sozialtrakte und mitunter auch die Reifung und Räucherung von Fleischteilen zu finden.

alter Versand & Kistenwäsche Im Laufe der Zeit wandelten sich die Ansprüche. Das Schlachten und die damit verbundene Frischfleischlagerung wurden zugunsten der Herstellung von Wurst zurückgedrängt. Auch die Technologien im Bereich der Herstellung von Fleisch und Fleischerzeugnissen änderten sich soweit, dass ein in der Form bestehender Bau den Ansprüchen der Zeit nicht mehr genüge tragen konnte. Es mussten zwangsläufig für die Herstellung von Wurstwaren, Produktions- und Kühlräume geschaffen werden.
Größere Räume zur Unterbringung verschiedener Maschinen für die Wurstproduktion sowie weitere Flächen zur Lagerung von Naturdärmen, Gewürzen und anderen Rohstoffen waren nötig. Es war daher unvermeidbar zu dem bestehenden historischen Altbau weitere konventionelle Räume für die Produktion zu schaffen.

Eingang mit Pförtnerhäuschen Nach und nach verschwand der Kern des städtischen Schlachthofes, der ab 1949 bis 1989 dem Schlacht- und Verarbeitungskombinat Dresden angehörte. Durch zahlreiche Anbauten entstand ein richtiges Großfirmengelände. Je nach räumlichen Ansprüchen kamen bauliche Veränderungen zum tragen und der eigentliche Ursprung des Gebäudes wurde somit fast gänzlich zerstört. Unaufhaltsam steigerten sich die Produktionsmengen und der Betrieb war zu einer zentralen Anlaufstelle in der Region geworden.

Mittelgang zu Produktionszeiten

Da aber zu Zeiten der DDR nur der Absatz zählte, war der Kern des städtischen Schlachthofes, sicherlich schon zu dieser Zeit, so traurig es auch ist, dem Untergang geweiht. Oftmals sind die Betriebe bis auf das Letzte ausgereizt worden, aber in Sachen Sanierung und Erhalt wurde kaum eine müde Ost-Mark investiert. Man beachtete auch nicht den traditionellen Charakter und war in erster Linie nur auf das eigentliche Produzieren aus. Da dieses historische Gebäude für solche Belastungen nicht ausgelegt war, konnte es kaum vermieden werden, dass es mit zunehmender Zeit dem eigentlichen Nutzungsursprung zum Opfer fiel.

altes Pökellager

Aus dem Betrieb ging 1990 dann schließlich das Fleischwerk Löbau GmbH hervor. Dieses neu gegründete Unternehmen arbeitete an derselben Wirkungsstätte weiter. Schon damals war aber klar, dass es den Umständen entsprechend nicht mehr lange an diesem Ort produzieren konnte. Nach der Wende schreitete, auch in der Fleischerbranche, die Technologie weiter voran. So wurde viel Wert in Reinräume gelegt.

alte Wurstproduktionsstätte

Neue Bodenbeschichtungssysteme ermöglichten eine geschlossene Oberfläche und ein einfaches Reinigen der Fussböden. Maschinen aus dem neuen Werkstoff Edelstahl hielten Einzug. Das Lebensmittelrecht, in Anbetracht neuer Vorschriften für die Fleischerbranche, mussten umgesetzt werden. Es war daher unvermeidbar die alte Wirkungsstätte zu schließen und sich ein neues Fleischwerk mit einer EG-Zulassung aufzubauen.

neue Produktionsstätte

So kam es 1994 zu der Erbauung des neuen Betriebes Fleischwerk Löbau, gleich neben dem alten Schlachthof. Es war von nun an möglich, den neuen Hygiene- und vor allem Kundenansprüchen genüge zu tragen. Denn die hatten sich abermals in Laufe der Jahre verändert. Brühwurst im Kunstdarm, Bratwurst in unterschiedlichen Variationen, Kochschinken und Rohschinken in unterschiedlichen Größen und Formen sowie Leberwurst in großer Sortenvielfalt, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Mittelgang vor dem Abriss

Da das Augenmerk sich von nun an auf das neue Fleischwerk richtete und sich die komplette Produktion dorthin verlagerte, wurde von Seiten des Fleischwerk Löbaus, dem alten Gebäude samt dem historischen Kern keine Beachtung mehr geschenkt. Lediglich als Lagerfläche für aussortierte Maschinen oder Leerkisten hatte man es entsprechend genutzt. So verging die Zeit, in der nichts mehr am Altgebäude passierte, relativ schnell. Und in 23 Jahren der ruhenden Phase holte sich die Natur das wieder, was der Mensch ihr genommen hatte. In Anbetracht der Lage versuchten die Inhaber des damaligen Fleischwerks das Objekt mit samt der Fläche zu verkaufen. Schon damals aber fand man keinen Interessenten, der sich den alten Schlachthof Löbau annahm. Eine Investition hat es trotz Bemühungen der Eigentümer nie gegeben.

Als wir das  Fleischwerk Löbau im Jahre 2009 übernommen haben, war der Grund in erster Linie, die Produktionsstätte zu erwerben, die das Fleischwerk Löbau damals betrieb. Der zusätzliche Erwerb des Grundstücks des alten Schlachthofes war durch die Übernahme des Fleischwerk Löbaus mit inbegriffen. Dieser diente uns, wie schon dem Vorbesitzer, in erster Linie als nützliche Lagerfläche für Grills, Maschinen, Leerkisten, Ersatzteile und anderen diversen Materialien.
Nach 8 Jahren der Nutzung waren die Spuren am Gebäude doch merklich fortgeschritten und eine Sicherheit nicht mehr gewährleistet. So war zum einen das Dach undicht und teilweise zusammengebrochen, zum anderen haben sich die Wände verschoben und sind statisch nicht mehr zu halten gewesen. Die Fäule und Nässe im Gebäude waren unübersehbar vorangeschritten. Um Schlussendlich den Verfall nicht noch länger fortschreiten zu lassen, haben wir uns in diesem Jahr entschieden den ganzen Firmentrakt abzureißen. Sicherlich viel es auch uns nicht leicht, den mit Tradition behafteten Schlachthof abzureißen und somit einen Teil der Geschichte Löbaus zu entfernen.

alte Produktionsstätten vor dem Abriss alte Produktionsstätten vor dem Abriss alte Produktionsstätten vor dem Abriss alte Produktionsstätten vor dem Abriss

Abrissbeginn

Aber wenn man es genauer betrachtet haben die Umstände die dazu führten es nicht anders werden lassen.
Mit ein bisschen Wehmut sehen wir der historischen Zeit des städtischen Schlachthofes entgegen und denken, dass etwas Neues entstehen zu lassen und in die Zukunft zu Investieren, kein schlechter Grundgedanke ist. Vielleicht können wir im Nachhinein auch noch was für den städtischen Schlachthof beitragen. Was es damit auf sich hat ist aber vorerst noch nicht spruchreif.

erstellt am 30.03.2017 von Stefan Richter